Aug
12
2011

Unser teuerster, aber auch atemberaubendster Urlaub

Bevor das nächste große Highlight (Julias Geburtstagsgeschenk und Riesenpicknick im Park), schreibe ich mal schnell einen Reisebericht von unserem Lofoten- und Vesterålenurlaub. Und ich nehme es mal vornweg, es war der teuerste Urlaub, denn wir, bis jetzt, zusammen verbracht haben. Das wussten wir natürlich schon vorher und diese Reise konnten wir uns als Studenten auch nie vorher leisten. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Die Landschaft da oben ist atemberaubend und faszinierend. Da es leider keine Flüge mehr direkt nach Harstadt auf die Lofoten gab, flogen wir bis nach Tromsø hoch und liehen uns dort einen Mietwagen, der für die nächsten 2 Wochen unser treuer Gefährte war. Obwohl, einmal half der norwegische ADAC, was aber eher meiner Unkenntnis zu Ecoautos zu zuschreiben ist.

Die ganze Zeit schliefen wir in einem 15 Jahre alten Zelt und dessen Altersschwäche zeigte sich vor allem in den stürmischen und regnerischen Nächten. Es kam schon mal vor, dass Julia in einer Pfütze erwachte. 2 Nächte suchten wir uns deshalb ein festes Dach über den Kopf, einmal als der Regen so stark war und die Sachen noch vom vorhergehenden Tag nass waren und das zweite Mal, um Alex zuliebe, in einer Berghütte des norwegischen Touristenvereins. Natürlich klingt das jetzt gar nicht so nach guten Wetter, aber ich sag euch, es war verhältnismäßig spitze. Julia meinte zwar, 3 Grad wärmer hätten nicht geschadet, aber dann hätte ich ja jeden Tag in kurzen Hosen rumrennen müssen.

Tromsø begrüßte uns mit strahlend blauen Himmel und 28 Grad. Rekord, für die nächsten 2 Wochen und bestimmt auch für den ganzen Sommer. Da macht es natürlich Spass, durch so eine schöne Stadt zu schlendern und Kaffee und Kuchen in der Sonne zu geniessen. Wir nutzen auch das schöne Wetter, um die ersten Kilometer Richtung Narvik zu fahren und uns einen schönen Zeltplatz zu suchen. Das erste Bad im Meer ließ auch nicht lange auf sich warten. Frühs dann auch die erste Sensation, Schweinswale begrüßen uns zu unserem Frühstück. Immer wieder tauchen die delfinähnlichen Wale an der Oberfläche auf und schniefen Wasser durch ihr Atemloch.

Mit der Fähre ging es dann von Narvik rüber auf die Lofoten und wir gingen, wie so oft, an einen der zahlreichen weißen Sandstrände spazieren und finden hier auch die ersten sagenhaften Moltebeeren. Leider noch nicht ganz reif, freuten wir uns schon auf die Zeit in einer Woche, wenn sie dann reif und schmackhaft auf unseren Plinsen landen. Am Ende konnten wir uns vor Moltebeeren auch gar nicht mehr retten.

Ach ja, noch eine Info hinzu. Da wir oberhalb des Polarkreises waren, ging für uns die Sonne 24 Stunden nicht unter. Manche Fotos stammen von kurz vor Mitternacht und das Licht zu dieser Zeit ist phänomenal – da schlägt das Herz des Fotografen sofort höher. In Solvær, der selbst ernannten Hauptstadt der Lofoten, dessen Anspruch wir nicht teilen konnten, trafen wir einen einheimischen Kletterer, der uns mit Informationen für die nächsten Tage versorgte und uns noch 2 Geheimtipps zum wildzelten gab. Der erste Zeltplatz war eine Art Basecamp für einige Kletterer, denn die Lofoten sind, aufgrund ihrer steilen Felsflanken, begehrte Kletterziele. Wir selber bouldern dort etwas rum und geniessen eine Aussicht auf zwei sich treffende Hurtigruten mit tollen Huppkonzert. Für mich war es ein Moment absoluter Glückseligkeit oder, wie Julia später schreibt, ein Moment zum Sterben.

Schönere Städte, oder Dörfer, sind auf jeden Fall Kabelvåg, Henningsvær, Å und Reine. In Kabelvåg schauen wir uns die Seehund- und Riesenotterfütterung im Aquarium an, sehr sehenswert und zu empfehlen. Danach gings weiter Richtung Henningsvær, eine kleine Stadt, die auf mehrere Inseln verteilt liegt und nur über mehrere einspurigen Brücken zu erreichen ist. Bei einer einheimischen, korpulenten Fischersfrau kauften wir uns frische Reker, die wir sofort am Hafen verspeisten, und 2 frische Walsteaks, die vom Geschmack sehr stark an frische Leber erinnert.

Der nächste Tag ist sehr verregnet und somit ideal für Museumbesuche. In Borg, bekannt vom “billigen” Bier aus Norwegen, besuchen wir das Wikingermuseum. Vor etwa 20 Jahren fand man hier Überreste eines Langhauses und baute dieses wieder vollständig auf. Im Museum selber konnte man alles ausprobieren, kosten und anfassen. Wir probierten uns im Axtwerfen und Bogenschießen. Wir fuhren weiter nach Ballstad und angelten uns einen kleinen Dorsch, den wir uns über offenen Feuer als kleine Vorspeise zum Abendbrot braten.

Natürlich haben wir auch das Nationalgericht der Lofoter, Bacalao, probiert. Dazu wird Dorsch im Winter gefangen und an der frischen Luft getrocknet, bis der Fisch hart wie Holz ist. In einer Art Soljanka wird das Fischfleisch wieder weich und genießbar. Die Suppe war echt lecker.

Wandern waren wir ebenfalls einige Male. So zum Beispiel auf den Reinebriggen. 450 Höhenmeter auf 2 Kilometern mit bis zu 70% Steigung. Und zu unserem Glück reist der Himmel auf als wir oben sind und es ergibt sich ein wunderschöner Blick auf Reine, wie aus dem Flugzeug, grandios. (Das Wetter ist auf den Lofoten auch eine Phänomen für sich. Es kann stürmen und regnen und eine Stunde später strahlt die Sonne wieder, Wetterberichte sind deshalb nicht vertrauenswürdig.) Als wir wieder unten sind ist keine einzige Wolke mehr am Himmel zu sehen. Wir leihen uns ein Zweierkajak und paddeln genüsslich durch den (das?) Fjord nach Veidstad, denn hinter diesem Dorf, welches nur per Boot erreicht werden kann, liegt einer der schönsten Strände Norwegens. Dort schlagen wir auch unser Lager auf und genießen mit Mitternachtssonne das warme Wetter und schlendern durch die Bucht. Am nächsten morgen ging es dann per Kajak wieder zurück, der Wind hat bisschen zugenommen und wir haben doch ganz schön zu kämpfen. Und weil wir schon mal am Meer sind, sind wir wagemutig und paddeln mit dem Kajak ein Stück aufs offene Meer. Und das macht richtig Spass, die Wellen heben das gesamte Boot 1m bis 2m und lassen es wieder sanft sinken.

Das waren unsere Tage auf den Lofoten und mit einer Fähre ging es nun auf die Vesterålen, eine Inselkette etwas nördlicher und nicht mehr so atemberaubend wie die Lofoten, denn hier ist Platz und es kann Landwirtschaft betrieben werden, wo hingegen die Lofoten nicht mal Platz für Häuser haben und diese dann direkt auf Pfählen ins Meer gebaut werden müssen. Man sagte uns auch, dass die Lofoten von Touristen nur so überlaufen wären. Klar sind viele Touristen dort und auch sehr viele Wohnmobile unterwegs, aber nie so, als dass man sich unwohl fühlen muss.

In Stokmarknes auf den Vesterålen liegt die Geburtsstätte der Hurtigruten. Hier gibt es ein wunderschönes Hurtigruten-Museum mit einer echten Hurtigrute, die an Land gehievt wurde und auf eigene Faust erkundet werden kann. Aufpassen, man kann sich leicht verlaufen. Am nördlichsten Ende der Inselkette gibt es neben einer Raketenabschussanlage der NASA! ein kleines Fischerdorf Nysksund. Dieses Dorf wurde schon vor einigen Jahrzehnten von den Fischern verlassen, doch ein paar deutsche Hippies versuchen dort ihr eigenes Utopia aufzubauen.

Nun hab ich doch am Ende den Text schnell runter erzählt, aber schaut euch einfach die Fotos an, denn diese sagen bekanntlich mehr als Worte. Es bleibt festzuhalten, der Urlaub war einer der schönsten, den wir jemals verbracht haben. Die Landschaft ist mehr als atemberaubend und man kann sogar eine ganze Woche nur in Reine verbringen, da man hier soviel unternehmen kann. Fast zu schade, um einfach weiterzureisen oder wie die vielen Wohnmobile, die ja eigentlich unterwegs zum Nordkapp sind, nur schnell durchzufahren. Aber so ist es ja meistens mit dem ersten Besuch, so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln und beim zweiten Besuch weiß man dann, wo man hin muss. Und wir kommen wieder, keine Frage!

Written by Kito in: Allgemein,Urlaub |

2 Kommentare »

  • na also ihr macht einem ja wirklich lust auf die lofoten! markus schwärmt auch immer voll davon und ich werd’ langsam immer neugieriger, wie es wohl da oben sein mag. glaube auf jeden fall, dass das einer eurer schönsten urlaube war!

    viele grüsse von den südwest-norwegern :-)

    Kommentar | 12. August 2011
  • Ich habs dir ja Kito heut schon gesagt: Respekt und voller Neid für Euren tollen Urlaub, vor allem das ihr soviel gemacht habt. Krass und schön das es Euch gefallen hat. LG! M

    Kommentar | 12. August 2011

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