Svalbard-Bericht, Erster Teil
Wie viele von euch ja schon wissen, befinde ich mich derzeit auf Spitzbergen, dem noerdlichsten Archipel der Welt, auf 78 Grad noerdlicher Breite. Zusammen mit meinem Bruder Stefan und den Freunden Kenny, Claudia und Rico haben wir unsere Zelte hier fuer 17 Tage aufgestellt. Jetzt sind gerade die letzten 4 Tage angebrochen und ehrlich, wir wissen nicht mehr so richtig, wie wir die Tage noch rumkriegen sollen. In der ersten Woche haben wir eine Mammut-Tour unternommen, sind von Longyearbyen (NOR) nach Barentsburg (RUS) und wieder zurueck gewandert. Insgesamt 136 Kilometer in 7 Tagen. Vielleicht haetten wir uns einfach bisschen mehr Zeit dafuer lassen sollen. Aber die Tour war wunderschoen, ueber das Fjell, durch das Meer und das bei taeglichen Sonnenschein. Die restlichen Tage verbringen wir wie richtige Touristen in Longyearbyen, gehen ins Museum, zur Kunstausstellung und jeden Tag ins Kaffee. Vorgestern war auch der erste Tag an dem die Sonne das erste Mal wieder kurz am Horizont kratzte. Trotzdem bringt die Helligkeit einen ziemlich aus dem Zeitgefuehl. Nachts geht man erst gegen 1,2 ins Bett und schlaeft machmal bis um 8 und manchmal bis um 12. Man kann es kaum steuern.
Zurueck noch mal zur Tour. Da Spitzbergen eigentlich wegen seinen Eisbaeren sehr gefuerchtet ist, ist es zwingend notwendig eine Waffe am Mann zu haben. Wir hatten 2 K-98, aus dem 2. Weltkrieg, mit eingravierten Hakenkreuzen, eine Signalpistole und Baerendraht, den man nachts um das Zelt spannen sollte. Alles zusammen noch mal so schwer wie ein einzelner voller Rucksack. Da wir nun die Waffen auch nicht mehr brauchten, haben wir sie zurueck zur Waffenausleihe gebracht, eine Woche eher als geplant. Geld haben wir dafuer aber nicht wieder gesehen. Bezahlt ist bezahlt hat man uns gesagt. Also falls jemand das liest und mit dem Gedanken spielt nach Spitzbergen zu reisen, geht nie zu Ingenieur Paulsen. Er ist ein Arsch durch und durch und geldgierig, obwohl ein Norweger.
Von den versprochenen Eisbaeren haben wir leider auch nichts gesehen. Somit ist mein Traum, einen Baeren in freier Natur zu sehen, immer noch nicht in Erfuellung gegangen. Weitere Touren mussen folgen. Vielleicht ja mal nach Kanada. Trotzdem gab viel in Flora und Fauna zu betrachten. Rentiere, Belugas, Polarfuechse, Schneehuehner und und und. Da wir Mister Pelz nicht trafen war das gefaehrlichste Tier die Kuestenseeschwalbe. Geht man am Strand spazieren musste man immer einen Stock ueber den Kopf halten, da dieser Vogel es immer auf unsere Koepfe abgesehen hatte. Stefan hat es einmal erwischt, da er am Anfang noch ueber die angebrachten Hinweisschilder gelacht hatte.
Wenn man in die Staedte Longyearbyen oder Barentsburg kommt sieht es fuer mich immer nach Schrottplatz aus. Longyearbyen schneidet noch bisschen besser ab als Barentsburg. Ueberall liegt verrosteter Stahl rum, alles dreckig von der Kohle und kein bisschen gruen. Auf Dauer kann man es hier gar nicht aushalten, deshalb freu auch mich bald, dass es wieder heisst, zurueck in die Heimat.