Merkwürdig. Es ist Mittwoch, höchste Zeit, von unserem Roadtrip nach Ålesund und Kristiansund zu berichten. Dieser endete am Sonntag, also vor drei Tagen. Drei Tage ist es also erst her, dass ich Fjorde und Berge fotografiert habe. Und doch scheint es mir weiter weg zu sein. Mittlerweile sind wir wieder in der Heimat angekommen, gehen in die Uni, sitzen in der Frühlingssonne und frühjahrsputzen unsere kleine Wohnung. Alles beim Alten.
Trotzdem möchte ich noch ein paar Eindrücke vom Trip übermitteln. Los gings vergangenen Donnerstag, vier ganze Tage lagen vor uns. Zu viert mieteten wir ein Auto, hatten unsere Statoil-Tassen und eine grobe Route im Kopf, darüber hinaus aber nichts weiter geplant - typisch Roadtrip eben. Getreu dem Motto “Der Weg ist das Ziel” schlichen wir mit 70 Stundenkilometer über abgelegene Straßen durch eine Landschaft aus Schnee, Eis, Gletschern und Fjorden. Alle paar Minuten rief jemand aus dem Auto “picture”, das war das Signal zum Anhalten, Aussteigen und Fotosknipsen. Atemberaubend. Es wurde immer schöner. Ein Gefühl von totaler Zufriedenheit und Ruhe machte sich in mir breit. So hingen wir, jeder mit der Nase an seinem Fenster, schauten während der Fahrt hinaus, summten zur Musik aus dem CD-Player und fuhren durch Norwegen. Ja, bei der Natur ist es mir auch ganz ehrlich egal, dass es durchschnittlich in Norwegen 4° kälter ist als in Deutschland. Nicht umsonst wurde wohl auch Norwegen zum viertschönsten Land der Erde gewählt.
Ich schaffe es wohl nicht, euch alle Eindrücke niederzuschreiben. Ein paar Highlights müssen an dieser Stelle genügen. Eines davon war auf jeden Fall ein spontanes Grillen bei Sonnenuntergang, mit Blick auf den Atlantik. Es gab Würstchen und Brot, dazu ein Dosenbier. Vollkommene Glückseligkeit. In solchen Momenten schwiegen wir einfach, genossen die Ruhe und Entspannung. Wir waren ein gutes Team, bestehend aus Kito, dem dauergrinsenden Alessio aus Italien, der stillen und liebenswürdigen Clementine aus Frankreich und mir. Hat alles sehr gut gepasst.
Das absolute Highlight war die Wanderung zur “Trollkirche”, einem abgelegenen Höhlensystem, in dem man Grotten aus weißem Marmor und 20m hohe Wasserfälle bewundern kann. Gewappnet mit Stirnlampe, Fackel und Wanderschuhen erklommen wir mühsam den verschneiten Berg. Vom Gefühl befanden wir uns eher auf dem Weg zum Basiscamp des Mount Everest und nicht zu einem tausend Meter hohen norwegischen Berg. Endlich angekommen wurden wir entschädigt. Die Jungs waren kaum aufzuhalten. Sie entdeckten jeden kleinsten Geheimgang, schauten hier, kletterten dort und waren völlig durchgedreht. Falls mal jemand eine Speichelprobe von Kito braucht: in der Trollkirche hat er alles vollgesabbert.
Insgesamt war es eine wunderbare Abschluss-Tour. Wir haben sehr viele Eindrücke und Erlebnisse gesammelt, noch einmal ein neues Stück von Norwegen gesehen und wissen mehr denn je: “Wir kommen wieder!”
Während dieser Zeit hat sich kaum die Möglichkeit ergeben, etwas für die Uni zu schaffen. Doof nur, dass nächste Woche Dienstag meine letzte Prüfung stattfindet und ich noch nichts dafür gelernt habe. Da muss ich wohl zum Ende meines Studiums auf das Motto zurückgreifen, das viele meiner Kommilitonen schon die ganze Zeit nutzen: Vier gewinnt!
Bis die Tage,
euer Julius