Und am Rande: etwas Biathlon
So ihr lieben Leser, ihr habt es geschafft, die Zeit des Wartens ist vorbei: unser Trondheimbericht ist da!
Schon einige Leute haben mich nach dem Trip gefragt. Ich finde kaum Worte, muss mich erst einmal sammeln, die Ereignisse sortieren…
Vergangenen Mittwoch starteten wir von Gjøvik aus mit einem kleinen Mietauto. Vor uns lagen 400 km, dank einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h werden daraus mal schnell über 6 Stunden Fahrt. Langweilig wurde es trotzdem nie. Als Beifahrer sitzt man einfach mit weit aufgerissenen Augen und der Nase am Fenster und bewundert die vorbei gleitende, sich ständig ändernde Landschaft. Ruhige Seen, schneebedeckte Berge, einsame Kirchen, grasende Elche, Statoil-Tankstellen mit kostenlosem Kaffee versüßten die Fahrt.
Ziel Trondheim: die drittgrößte Stadt Norwegens beherbergt neben 150.000 Einwohnern auch 20.000 Studenten, liegt an der Westküste und ist dementsprechend maritim geprägt. Anders als Oslo findet man hier noch aneinander gereihte, bunte Holzhütten, alte Speicherhäuser und ursprüngliches Seefahrerflair. Obwohl wir ein Auto hatten, schlenderten wir lieber stundenlang kreuz und quer durch die Stadt, ließen uns treiben und entdeckten richtig hübsche Ecken. Kito hat auf Anhieb das Café mit dem besten Blåbærkake (Blaubeerkuchen) ausfindig gemacht. Mmmh, seit dem kann er kaum etwas anderes denken, aber so kennen wir ihn ja.
Hauptgrund für unseren Trondheimausflug war, wie angekündigt, der Biathlon World Cup. Unsere persönlichen Favoriten dabei natürlich: Michael Rösch und Christoph Stephan. Beide voll nette Typen. Gut, Michael (Ebs), kannten wir schon vorher. Christoph (Kralle) ist uns im Laufe der paar Tage aber auch richtig ans Herz gewachsen. Wieso? Ein gemeinsamer Partyabend, der hier im Einzelnen kaum ausreichend genug wieder gegeben werden kann, jedoch jetzt noch jedem Beteiligten ein fettes Grinsen beschert. Es war der Wahnsinn. Donnerstagabend traf sich die gesamte Biathletenbande im Club “Downtown”, Kito und ich als Obergroupies natürlich mittendrin. Nach ein paar paar Bier und ein wenig Snus zusammen mit Ebs und Kralle explodierte die Stimmung. Von nun an gab es wildes Gepoge, verschüttetes Bier, eine blutige Nase, einige nackte Oberkörper, Schweiß, Klopapiermumien, Pantomimetanz und jede Menge anderen Blödsinn. Alles fand ein jähes Ende, als Kralle freundlich des Clubs verwiesen wurde. Wir folgten aus Solidarität.
Der Abend ging nicht ganz spurlos an den Anwesenden vorüber: Kralle verlor sein Portemonnaie und Kito schlief in der Dusche (einziger Grund: die Fußbodenheizung, jaja). Ein gemeinschaftlicher Kater am nächsten Morgen vereinte uns. Schön wars …
Achso ja, Biathlon. Natürlich hatten wir auch sportliche Momente. Donnerstag, Samstag und Sonntag feuerten wir die Sportler lauthals an, schwenkten mit der kleinen Deutschlandfahne in einem Meer aus Norwegenflaggen und fieberten während der Wettkämpfe mit. Es war mein erster Biathlon World Cup, der mir nicht von einem Fernsehgerät entgegen gestrahlt wurde. Dementsprechend aufregend war das ganze Event. Den Höhepunkt bildete der Massenstart der Herren am Sonntag. Wow, wir waren aufgekratzt und sind rumgesprungen wie die Gummibärenbande. Die umstehenden Norweger belächelten uns anfangs für so viel Eifer. Schnell schlugen sie sich auf unsere Seite und stimmten mit ein, wenn wir Kralle und Ebs im Vorbeifahren zubrüllten. Heiser, glücklich und Adrenalin geladen ging das Rennen zu Ende. Kralle hatten wir auf einen stolzen 6. Platz gebrüllt. Immerhin! Ebs kam mit einem leichten Grinsen und Achselzucken als 25ter an uns vorbei. Ende, Aus, vorbei.
Völlig überdreht stiegen Kito und ich nach dem Wettkampf ins Auto, konnten erst einmal gar nicht reden. Jeder verarbeitete die Erlebnisse still für sich, während wieder einmal die atemberaubende Landschaft vorbei zog.
Eines ist sicher: von dem Ausflug werden wir noch lange zehren. Auch wenn es nur fünf Tage waren, die Eindrücke fühlen sich nach mehr an…
Und, soviel sei verraten: ein abschließender Roadtrip, der uns hoffentlich noch diese Woche an den Geirangerfjord und nach Ålesund bringen wird, ist angedacht.
Bilder? Findet ihr wie immer unter “Beweisfotos”. Viel Spaß und danke fürs Lesen.
Har det bra(twurst)
Eurer julius