Zurück im Alltag
Der Roadtrip ist leider schon wieder vorbei und der Alltag hat mich wieder gefangen. Wahrscheinlich aber auch noch nicht so richtig, denn ich hab mir auch was schönes mitgebracht, nämlich eine Erkältung die mich erst mal ans Bett fesselt. Heute geht es mir aber schon wieder kräftemäßig besser und ich schaff den Gang an den Schreibtisch und schreibe den Bericht.
Freitag nachmittag ging es dann für Alessio, Clementine und mich los mit Richtung Nordwesten ohne Plan und Zeitdruck zum Sognefjord, den längsten Fjord Norwegens. Aus dem gemieteten VW Lupo ist ein Volvo C30 gewurden und damit auch viel mehr Platz und Luxus pur. Leider gab es aber keine Spikebereifung und ein Hinterreifen war falsch aufgezogen, doch zu Schaden kam keiner, nur zwei Beinahe-Unfälle. Es stellt sich nun die Frage braucht man Spikes oder nicht? Um an die Westküste zu gelangen mussten wir 2 Fjelle (Hochgebirge) durchqueren, dass heißt Schnee in Massen, nur leicht geräumte Strassen und glatt wie auf der Schlittschuhbahn. Gewünscht hätten wir sie uns schon. Am Fjord (Küste) dann der totale Wetterumschwung 12 Grad, Sonnenschein, blauer Himmel und alles grün. Also, Spikes fehl am Platz.
Los ging es in Gjøvik auf der 33 vorbei an Dokka Richtung Fagernes. Beides kleinere Ortschaften und bekannt als Tor zu den Skizentren Beitostølen und Hemsedal. Für uns gab es den ersten obligatorischen Statoil Stop. Aufklärung! Ich glaub Markus hatte auch schon mal davon berichtet. Bei Statoil kann man sich für 129,- NOK einen Thermosbecher kaufen, den man dann an allen Statoil-Stellen kostenlos mit Kaffee auffüllen kann. Gutes Marketing, gehalten haben wir nämlich nur bei Statoil. Und es ist schon lustig mit anzuschauen, wie alle an diesen Tankstellen mit dem Becher in der Hand aussteigen, Kaffee holen und weiterfahren. Wie viel wir getrunken haben, weiss ich nicht mehr, aber es war auf jeden Fall 2-stellig. Muss man ja auch wieder reinholen, die 15 Euro. Unterwegs trafen wir auch unseren ersten Elch. Nächster Stop hieß dann Borgund. In Borgund steht das besterhaltenste Beispiel norwegischer Holzbaukunst und der älteste Holzbau Europas; die 1180 errichtete Stabkirche. Unheimlich war es schon ein bisschen, denn immerhin erreichten wir den Prunkbau in völliger Dunkelheit. Trotzdem konnten wir uns mit Stirnlampen bewaffnet frei auf den Friedhof bewegen und einen guten Eindruck von der alten Holzkirche machen. In Erinnerung wird sie uns auf jeden Falle bleiben, gerade wegen der Finsternis.
Weiter ging es Richtung Lærdal, und da uns dieses Dörfchen mit den 160 alten unter Denkmalschutz stehenden Häuschen so gefallen hat, beschlossen wir die Nacht hier zu verbringen. Doch leider ist gerade keine Saison und damit hatten nur 2 Pensionen geöffnet und die waren natürlich beide voll belegt. Also mit der Fähre Richtung Sogndal. Dort fanden wir auch dann ein schönes Appartment und schlugen uns den Magen mit Spaghettis voll.
Am nächsten Morgen beschlossen wir das Jostedalen hinaufzufahren, um uns den Nigardsbreen (Gletscher) anzuschauen. Hoch sind wir gekommen, aber gesehen haben wir nichts. Der Schnee fiel in Unmengen vom Himmel auf Unmengen die bereits auf dem Boden lagen. Also zurück zum Fjord. Dort begrüßte uns die Sonne mit einem strahlend blauen Himmel. Ach, und unterwegs haben wir einen Wal und Robben getroffen. Fantastisch dieses Land. Den ganzen Tag haben wir nur in der Sonne mit unserem ersten Eis am Fjord verbracht, mit Fähren rumgefahren und die Landschaft genossen. Leider sind über die Wintermonate noch viele Strassen über die Berge gesperrt, auch wir mussten das mehrere Male am eigenen Leib erfahren, aber so konnten wir dann dort übernachten, wo wir schon die erste Nacht übernachten wollten, nämlich in Lærdal.
Sonntag sind wir dann durch den längsten Strassentunnel der Welt, 25 Kilometer, nach Flåm, zur Flåmbann (Eisenbahn durchs Gebirge) gefahren. Die Flåmbann gehört mit zu den TopTen Sightseeing Attraktionen Norwegens, uns aber zu teuer. Eine Fahrt für die 20 Kilometer kurze Zugstrecke kostet 330,- NOK pro Person. Wir nahmen dann die Strasse mit dem Auto neben der Bahnschiene. Und wir konnten halten wo wir wollten und nicht der Schaffner.
Nun hieß aber auch schon Schluss mit der Westküste, denn immerhin lag noch eine 5-stündige Autofahrt Richtung Gjøvik vor uns. Unterwegs hielten wir noch mal bei Tageslicht an der Stabkirche von Borgund und bei mehreren Statoil Tankstellen. Insgesamt fuhren wir am Ende 900 Kilometer durch traumhafte Landschaften, haben den Winter in den Bergen gefühlt und den Frühling im Fjord gesehen. Und einig sind wir uns allemal; das muss man öfter machen.
Bilder gibt’s unter Beweisfotos, leider noch unsortiert.





